Hocker 120°

Kategorie: Living
2019

Fee Guber

Werkakademie Rohr-Kloster
www.formfollowsfee.de

Fee Guber hat nach ihrem Abitur eine Tischlerlehre absolviert und ihr Gesellenstück wurde für den Bundeswettbewerb „Die Gute Form 2018“ nominiert. Nach dem Erwerb der handwerklichen Fähigkeiten vertieft sie jetzt zielstrebig ihr Interesse für Design und bildet sich zur Gestalterin im Handwerk an der Werkakademie Rohr-Kloster weiter. Mit dem Material Holz Formen und Techniken umzusetzen, die im Handwerk nicht alltäglich sind, treibt die junge Designerin an. Ein hoher Anspruch an sich selbst und die Suche nach Perfektion für außergewöhnliche Designlösungen scheinen ihre Berufung zu sein.

Die besondere Designleistung des Hockers 120° ist die handwerkliche Innovation. Die junge Designerin hat die gewohnten Wege des Handwerks verlassen und überrascht in Form und Herstellungstechnik. Der Gestaltungswille der Designerin hat sich aus der spielerischen Auseinandersetzung mit Geometrie und der intensiven Suche nach einer Schablonenvorlage entwickelt. Wie drei zentral ausgehende Strahlen verbinden sich die Beine zu einer Sitzfläche und erzeugen eine Harmonie, in der das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Das bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Möbel überrascht jenseits industrieller Normen und Moden. Ihrem eigenen Anspruch verpflichtend werden ausschließlich regionale Holzarten verwendet, deren Oberflächen mit biologischen Ölen veredelt werden.

Die teilweise maschinelle Herstellung möchte Fee Guber in regionalen Produktionsstätten verorten. Was auf den ersten Blick auffallend leicht scheint, entpuppt sich bei näherem Betrachten als stabiler Hocker und sorgsam durchdachtes und vielfältig einsetzbares Universalmöbel. Die Besonderheit stellt die formale Einheit von Sitzfläche und Beinen dar, die an einen neuen Klassiker denken lässt.

Fünf Fragen an die Preisträgerin

1. Was hat Dich zu Deinem Entwurf inspiriert?
Die Konstruktion der geometrischen Dreiteilung war ausschlaggebend für die Gestaltung meines Projektes.
Die Idee, eine zweidimensionale Konstruktion dreidimensional zu denken, führte zu einer ganzheitlich stimmigen Formensprache. Diese physisch umzusetzen war eine Herausforderung, der ich mich gerne gestellt habe.

2. Wie und womit hat Dich das Förderprogramm der HDC der Markteinführung Eures Designentwurfes nähergebracht?
Durch die Zusammenarbeit mit einem Design-Rechtsanwalt konnte ich mein Design schützen lassen und habe nun eine sicherere Grundlage mit der ich in Gespräche gehen kann. Die Auseinandersetzung mit potentiellen Kooperationspartnern hat mir geholfen, die Branche besser kennen zu lernen. Des Weiteren habe ich an der Optimierung meines Produktes gearbeitet, vor allem in Bezug auf die Produktion.

3. Welche Erfahrungen hast Du aus dem Mentorenprogramm der HDC gesammelt?
Durch das Mentoring, welches ein Lernen von Prozessen und Vorgehensweisen an einem praktischen und persönlichen Beispiel war, konnte ich vieles erfahren, was den normalen Lehrplan der Akademie übersteigt.
Die Bandbreite der Bereiche, in denen ich Erfahrungen sammeln durfte, ging von Designrecht über Kommunikation mit Reportern bis hin zu Marktanalysen.

4. Wo siehst Du Deinen Entwurf in den nächsten fünf Jahren?
Ich sehe meinen Entwurf als einen Anfang meines Schaffens. Er ist ungewöhnlich und sympathisch auffallend und birgt noch viel Variationspotenzial in sich. Ich habe an ihm viel lernen dürfen, wovon meine folgenden Arbeiten profitieren werden. Durch die Exklusivität des Produktes stellt die Vermarktung jedoch eine Herausforderung dar.

5. Wie wird es beruflich weitergehen? Möchtest Du ein eigenes Unternehmen gründen oder in die Forschung gehen oder erst einmal Erfahrungen bei anderen Designstudios sammeln?
Ich werde mein Studium an der Werkakademie vollenden und überlege parallel, was für mich die nächsten Schritte sein könnten. Ich möchte auf jeden Fall weiter lernen – ob in Vollzeit, Teilzeit oder autark ist noch offen. Mir ist es wichtig, dass ich weiterhin aus dem praktischen Fundament meiner Ausbildung heraus arbeiten, aber mir sogleich neue Bereich erschließen kann.